Amalie Fürstin von Gallitzin
Adelheid Amalia von Gallitzin wurde am 28. August 1748 in Berlin geboren. Sie entstammte einer altungarischen Familie und war Tochter des preußischen Feldmarschalls Samuel Reichsgraf von Schmettau. Protestantisch getauft, wurde sie in einem Kloster nach katholischen Prinzipien erzogen und war später Hofdame am preußischen Hof.

1768 lernte sie auf einer Reise nach Spa den mit Voltaire und Diderot befreundeten russischen Diplomaten Fürst Dimitri Alexejewitsch Golizyn (Gallitzin) kennen, den sie im gleichen Jahr heiratete. Nach der Ernennung des Fürsten zum Gesandten für Den Haag zogen beide 1769 in die niederländische Residenzstadt.

Nach der Trennung von ihrem Mann 1774 verließ sie, um sich der Erziehung ihrer beiden Kinder Marianne und Dimitri ungestört widmen zu können, 1775 Den Haag und zog nach Scheveningen, wo der niederländische Philosoph Franz Hemsterhuis starken Einfluss auf sie gewann. 1779 veranlassten sie die Schulreformen des Franz von Fürstenberg im Fürstbistum Münster, mit ihren Kindern und mit Hemsterhuis dorthin überzusiedeln. Neben ihren eigenen Kindern unterrichtete sie ihre Nichte Amalie sowie Georg Arnold Jacobi, den Sohns des Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi – u.a. in den Fächern Griechisch und Latein, Englisch, Französisch und Deutsch, Geschichte und Erdkunde, Mathematik und Psychologie, Religion und Naturlehre.

Amalie von Gallitzin stand mit vielen prominenten Zeitgenossen in regem Kontakt, unterhielt Briefverkehr u.a. mit Herder, Lavater und Friedrich Heinrich Jacobi, und war mit Matthias Claudius bekannt, der sie in Münster aufsuchte. 1785 traf sie den bewunderten Goethe in Weimar, der sie wiederum 1792 in Münster besuchte.

Die Fürstin konvertierte 1786 zum Katholizismus und empfing an ihrem 38. Geburtstag die Kommunion. Um sie bildete sich der sog. „Kreis von Münster“ (die „familia sacra“), der, in intensiver Auseinandersetzung mit pädagogischen, philosophischen und mystischen Strömungen, für pädagogische Verantwortung aus religiösem Bewusstsein eintrat. Beeinflusst war sie in dieser Zeit auch von dem Königsberger Philosophen und Schriftsteller Johann Georg Hamann, der sie 1787/1788 persönlich in Münster kennen lernte und dort überraschend starb und in ihrem Garten begraben wurde. 1789 siedelte der Priester und Pädagoge Bernhard Overberg in ihr Haus über. Der Gallitzin-Kreis prägte maßgeblich das literarische Klima Münsters und seiner Umgebung Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts. Er bewog Friedrich Leopold von Stolberg zum Übertritt zum Katholizismus und regte ihn zu seiner weitverbreiteten Konversionsschrift „Geschichte der Religion Jesu“ an. Urteile, u.a. von Goethe und Hamann, schreiben der Fürstin einen weiten Bildungshorizont und eine außergewöhnliche Ausstrahlung zu. Amalie von Gallitzin starb am 27. April 1806 in Münster.